Was Authentizität mit Selbstliebe zu tun hat

„Hätte ich doch das gemacht, was mir wirklich wichtig ist. Stattdessen habe ich meine Eltern und meinen Chef zufrieden gestellt. Wie viel Zeit ich verschwendet habe…Hätte ich doch….“

Möchtest du so klingen, wenn du auf deinem Sterbebett liegst? Eine gruselige Vorstellung! Dann fang am besten heute noch an authentisch zu leben und warte nicht bis es zu spät ist.

Lange Zeit ging die Psychologie davon aus, dass ein gutes Leben sich ergeben würde, wenn die psychischen Probleme des Menschen gelöst wären. Die Abwesenheit von Problemen würde demnach automatisch Glück mit sich bringen. Heute weiß man, dass das nicht der Fall ist. Die reichsten und sorglosesten Menschen sind zum Teil unglücklich, obwohl es ihnen augenscheinlich an nichts mangelt.

Was also macht ein erfülltes und glückliches Leben aus? Die Ergebnisse der so genannten „positiven Psychologie“ sind eindeutig. Wirklich glückliche Menschen haben eines gemeinsam: Sie haben klare Werte und einen Sinn im Leben UND sie leben ihren Werten entsprechend. Sie leben ein authentisches Leben. Forschungen belegen: Je größer der Abstand ist, zwischen dem, was uns wichtig ist zu tun und was wir tatsächlich tun, desto unglücklicher sind wir.

Oftmals beginnen Menschen authentisch zu leben, nachdem sie einen traumatischen Schicksalsschlag erfahren haben. Eine Nahtoderfahrung rüttelt wach und führt vor Augen, was einem wirklich wichtig ist. Studien zeigen, dass diese Erfahrung zu einer Art Katalysator wird für den Wunsch sich nicht verstellen zu müssen und ein zutiefst authentisches Leben zu führen.

Ohne solche schwer belastenden Ereignisse neigen wir leider dazu, das Leben eher „vor uns hinzuleben“ und viel zu viel in Kauf zu nehmen, was nicht unseren Wertvorstellungen entspricht. Wir tun so, als hätten wir ewig Zeit unsere tiefsten Wünsche zu erfüllen.

Natürlich kannst auch du auf das markerschütternde Ereignis warten, um dich aus dem Schlaf aufwecken zu lassen aber du kannst auch heute anfangen authentisch zu leben.

Warum ist Authentizität wichtig?

Laut Stephen Joseph, der viele Jahre zum Thema Authentizität geforscht hat, ist eine eudaimonische, also auf Sinn und Werten basierende Lebensweise, im Gegenzug zu einer hedonistischen, also auf möglichst viel Vergnügen und Konsum fokussierte Lebensweise, der Schlüssel zu einem glücklichen und gesundem Leben. Diejenigen, die ihr Leben langfristig auf die reine Suche nach Vergnügen ausrichten, leiden eher an psychischen Problemen und führen insgesamt ein weitaus unglücklicheres Leben.

„[…]Und wir stellten fest, dass die Menschen, die Mitte fünfzig ein geringes eudaimonisches Wohlbefinden angaben, zehn Jahre später mit einer um das Siebenfache erhöhten Wahrscheinlichkeit an Depressionen litten.“ 

Die fortwährende Suche nach Vergnügen fühlt sich ohne einen Sinn leer an und kann zu Depressionen führen. Diese Leere wird jedoch häufig mit mehr Vergnügen, Unterhaltung und Konsum gefüllt, was wiederum zu einem Gefühl von mehr Leere führt.

Je mehr unsere Aktivitäten, das widerspiegeln, was uns wirklich etwas bedeutet, desto eher erreichen wir den Zustand von Flow, der nicht nur zutiefst erfüllend ist, sondern auch zu Höchstleitungen verhilft. Je mehr wir uns in dem Flowzustand befinden, desto eher erreichen wir Wachstum und letztendlich unsere Ziele.

Und was hat Authentizität nun mit Selbstliebe zu tun?

Wenn du dich selbst lieben lernst, entwickelst du das natürliche Bedürfnis dir selbst das authentischste und erfüllendste Leben zu geben, was dir möglich ist. Dann übersteigt dieser Wunsch deine Bequemlichkeit und deine Ängste vor anderen blöd dazustehen.

Statt deine Liebe zu dir selbst nur in kurzfristigen Belohnungen, wie leckerem Essen oder einem Wellnesstag auszudrücken, suchst du nach einem Weg deine persönliche Erfüllung zu entfalten. Dieser Wunsch wird stärker als die Angst davor was andere über dich sagen. Schließlich gibst du dir selbst die Liebe, die du vorher von anderen zu bekommen versucht hast. Du weißt, dass das was dich im Kern ausmacht, nicht falsch sein kann und so merkwürdig oder außerhalb der Norm es für andere erscheinen mag, du weißt, dass du dich nicht zu verstecken brauchst. Du bist so wie du bist und das bejast du.

Sich der Welt so zu zeigen, ohne die Masken des Selbstschutzes zu tragen erfordert Mut – Mut zur Verletzlichkeit. Diese Masken hast du schließlich nicht ohne Grund entwickelt. Du wurdest von den Klassenkameraden ausgelacht als du albern warst und hast dann entschieden, diese Seite zu verstellen und dich „normal“ zu verhalten. Du wurdest von deinen Eltern ausgeschimpft, wenn du laut und anstrengend warst und hast unbewusst beschlossen dich ruhig und angepasst zu verhalten. All diese Schutzmechanismen waren dir eine Hilfe aber jetzt kannst du wieder zu dir selbst finden.

Du kannst dich heute bewusst entscheiden, die Masken abzulegen und der Welt so gegenüber zu treten, wie du wirklich bist.

Warum ein authentisches Leben dir mehr Kraft gibt

Diese Masken zu tragen erfordert viel Energie. Deshalb fühlen wir uns leicht und voller Kraft, wenn wir einmal wirklich wir selbst sein können. Was könntest du alles mit der zusätzlichen Energie anfangen, wenn du dich nicht ständig verstellen würdest?

Stattdessen liegst du abends auf der Couch und bist so kaputt von dem Arbeitstag, in dem du von morgens bis abends die erfolgreiche Powerfrau spielst, die alles im Griff hat, dass für dich selbst kein Fünkchen Energie übrig bleibt. Am Wochenende werden die Akkus dann langsam wieder aufgeladen – gerade so viel, dass du am Montag wieder einsatzfähig bist. Dann hast du gerade genug Kraft zusammengekratzt, um weiterhin deine Rolle zu spielen.

Auch ich hatte mich auf der Arbeit vollkommen verstellt. Kaum Zuhause angekommen, mussten all die Verrücktheiten raus, um mich wieder lebendig zu fühlen und mein Freund und ich alberten um die Wette.

Für mich stand es gar nicht zur Debatte auf der Arbeit ich selbst zu sein. Ein Umfeld, in dem die Stimmung dauerhaft nach zwanzig Tagen Regenwetter aussieht und die Leute zum Lachen noch nicht einmal in den Keller gehen (sie meckern stattdessen), war für mich klar, dass ich eine Rolle zu spielen habe. So wie ich mir morgens den Blazer überstreifte, zog ich auch eine angepasste Persönlichkeit über.


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Als meine damalige Coach mich aufforderte mich einen Tag lang auf der Arbeit nicht zu verstellen, war mein erster Gedanke: Unmöglich! Da sie aber nun mal verdammt klug ist, ließ ich mich auf das Experiment ein und war erstaunt: Meine positive Energie steckte an und es wurde ein richtig angenehmer Arbeitstag. Statt meine blöden Sprüche zurückzuhalten, witzelte ich, wenn mir danach war, was meine Kollegen (wie mir erschien: sehr freudig) aufgriffen.

Ich bekam das Gefühl auf etwas furchtbar Wichtiges gestoßen zu sein. Ist vielleicht nicht das Anpassen, sondern das Gegenteil der Weg zum Erfolg? Seitdem achte ich darauf mich möglichst wenig zu verstellen und meinen Werten entsprechend zu leben. Was für eine Befreiung! Wie viel lebendiger das Leben dadurch wird.

Die Welt braucht keine endlosen Kopien von der gesellschaftlich „perfekten“ Person. Sie braucht deine Besonderheit. Alles andere gibt es schließlich schon. Tue der Welt den Gefallen und statt dir von den Masken und der Angst deine Energie aussaugen zu lassen, zeig dich wie du wirklich bist. Die frei gewordene Energie kannst du dann einsetzen, um deiner Leidenschaft nachzugehen. DAS ist pure Selbstliebe.

Was hindert dich aber an einem authentischen Leben? Deine Schutzmechanismen.

Kurzfristig betrachtet sind deine Schutzmechanismen sicherlich sinnvoll. Je mehr Schutzmechanismen du aber langfristig einsetzt, desto mehr Schwierigkeiten werden sich dir im Leben in den Weg stellen. Desto lauter werden die innerseelischen Konflikte und das Gefühl, dass dein Leben „nicht richtig“ ist.

Willst du deine unbewussten Mechanismen kennenlernen? Achte am besten darauf, wie du reagierst, wenn du Kritik ausgesetzt bist. Ein Mensch, der mit sich vollkommen im Reinen ist, sieht in Kritik nichts anderes als eine Gelegenheit zu lernen und einen Hinweis, der kein persönlicher Angriff sein muss. Wenn du bei Kritik aber reflexartig aggressiv, beleidigt, verletzt reagierst oder einfach weg läufst, dann hast du in der Vergangenheit unbewusst Mechanismen entwickelt, um so deinen Selbstwert zu schützen. Erst, wenn du diese bewusst wahrnehmen kannst und sie dich nicht mehr unbewusst steuern, ist ein wirklich vollkommen authentisches Leben möglich.

Authentizität stellt sich ein, wenn du lernst, deine innere Stimme als wichtiger zu betrachten als Botschaften von außen und deine Ziele und Werte entsprechend zu setzen.

Je mehr ich mich lieben lerne, desto authentischer verhielt ich mich. Hatte ich keine Lust auf bestimmte Treffen, ging ich nicht mehr hin, statt es anderen recht zu machen. Wenn ich jemanden enttäuschen musste, ließ ich ihn enttäuscht sein, statt ihn vor der Enttäuschung zu schützen.

Letztendlich folgte ich auch beruflich meiner Leidenschaft und machte nach meinem Coaching selbst eine Ausbildung zum systemischen Coach. Und kündigte meinen Job. Ich ließ die aufsteigenden Existenzängste zu. Ein authentisches Leben war mir die Unsicherheit inzwischen wert geworden. Ich war es mir wert sowohl privat als auch beruflich authentisch zu sein.


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