Was ich in Argentinien über Verbundenheit und „im Moment leben“ gelernt habe

In Argentinien startete mein großes Abenteuer. Allein wollte ich drei Monate durch Südamerika reisen und bekam kurz vor der Abreise ganz schönes Magenflattern. Ich landete in Buenos Aires und merke mit allen Sinnen, dass ich mich 11.650 km entfernt von Zuhause befand. Auch wenn Argentinien das Europa ähnlichste Land in Südamerika ist, war alles irgendwie anders – viel mehr Farben und ganz andere Gerüche. Der größte Unterschied: die Menschen. Genau deswegen war ich hier – in erster Linie, weil mich die kalten Menschen in Deutschland immer mehr frustriert hatten. Ich sehnte mich nach Wärme und Lebensfreude und oh wow wurde ich nicht enttäuscht!

Authentizität leben – in Argentinien selbstverständlich

Wenn Argentinier sich nach Tanzen oder Singen fühlen, dann tanzen oder singen sie drauflos. Das kann mitten auf der Straße, am Flughafen, alleine oder in einer Gruppe von Menschen sein. Niemand schaut sie seltsam an und es scheint sie auch kein bisschen zu kümmern, ob das jemand merkwürdig finden könnte.

Sie mögen Herzlichkeiten und Umarmungen und in Rekordschnelle Fremde zu Freunden zu machen ist fest in ihrer Kultur verankert. Sobald ich in einer neuen Gruppe von Fremden war, dauerte es nicht lange bis jemand den Mate Becher rumgereichte. Jeder trinkt aus dem selben Metallhalm (Bombilla genannt, die man übrigens nicht mit den Händen berührt und man rührt schon gar nicht damit um!) und es würde niemandem in den Sinn kommen den eigenen Mate Becher auszupacken, um daraus zu trinken (obwohl jeder Argentinier seinen eigenen Matebecher samt Mate und einer Thermoskanne für heißes Wasser mitführt). Sobald man das heiße Getränk aus einem Becher getrunken hat und somit Spucke ausgetauscht, fühlt man sich miteinander verbunden und kann gar nicht anders als sein gegenüber als Freund zu betrachten.

Alles Essen und Trinken wird aus der natürlichsten Selbstverständlichkeit heraus mit jedem in der Gruppe geteilt. Einem Fremden seine Trinkflasche hinzuhalten – absolut normal. Der Nationaldrink Fernet mit Cola und Eis wird aus einem großen Gehälter getrunken, der in der Gruppe rumgereicht wird. Vorher wird die Mischung mit dem Finger ordentlich umgerührt – so trainieren Argentinier wahrscheinlich ihr Immunsystem.

Weil ich mit meinen blonden Haaren immer auffiel und offensichtlich aus einem anderen Land kam, wurde ich ständig angesprochen. Ich weiß noch, wie ich versucht hatte herauszufinden, was mir die Schülerinnen und Schüler verkaufen wollen, als ich diese Erfahrung das erste Mal machte. Dann musste ich jedoch feststellen, dass sie einfach neugierig waren, wie mir ihre Stadt gefällt und wie es in Deutschland ist und fragen wollten, ob ich vielleicht Hilfe oder Tipps brauchte. Ich war gerührt und nahm mir vor nicht mehr so voreingenommen zu sein. Zum Glück konnte ich mein in Deutschland antrainiertes Misstrauen schnell ablegen und lernte viele inspirierende Menschen kennen.

In Argentinien nimmt man sich nicht vor mehr im Moment zu leben – man lebt es 

Es war faszinierend mit welcher Selbstverständlichkeit die Argentinier im Moment leben. Fast täglich artet das späte Abendessen (ab 21 Uhr) in einer Party aus und weil es in dem Moment so viel Spaß macht, geht man danach noch tanzen – auch wenn am nächsten Morgen die Arbeit wartet.

Ich fragte meinen Reisebuddy, ob er am nächsten Tag nicht müde wäre „Doch doch, aber das ist ja erst am nächsten Morgen. Daran denke ich am Abend nicht. Und man gewöhnt sich an den wenigen Schlaf…“ Statt sich den Spaß für das Wochenende aufzuheben, wird aus jedem Moment das Meiste gemacht und das Leben im vollen Zügen zu leben steht in Argentinien über allem anderen.


 

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Argentinien – perfekt um alleine zu reisen und sich selbst kennen zulernen

Argentinien eignet sich hervorragend, um alleine zu reisen und ein großes Abenteuer zu beginnen. Die Umstellung von Europa ist mild und das Land relativ sicher, wenn man sich an ein Paar Spielregeln hält: In Buenos Aires den Rucksack vorne tragen, kein Schmuck (auch kein Modeschmuck!), schlichte unauffällige Kleidung, kein Ausschnitt etc. blonde oder rote Haare am besten immer zusammengebunden tragen, in der Hosentasche ein Paar Scheine haben, die du bei einem Überfall sofort rausholen kannst, ohne dein ganzes Portmonee hergeben zu müssen.

Es gibt viele Alleinreisende, denen man sich anschließen kann und mit den Langstreckenbussen kommt man bequem quer durchs Land – in vielen wird sogar kostenlos Wein ausgeschenkt, um die Fahrt angenehmer zu gestalten. Für relativ wenig Geld kannst du dir auf manchen Strecken sogar eine Luxusfahrt gönnen, um mit Getränken, Essen, Snacks, einer großen Filmauswahl und einem sehr komfortablen 180° Sitz mit Privatsphäre durch Vorhang, verwöhnt zu werden.

Man gewöhnt sich sehr schnell daran 12, 18 und sogar über 20 Stunden in den Bussen zu verbringen und du kannst die Zeit gut nutzen, um zwischen den Abenteuern runter zu kommen und das Erlebte zu verarbeiten.

Unbedingt machen

Buenos Aires

In einer Bar in Buenos Aires leicht einen sitzen haben, einem Tango tanzenden Paar zuschauen und in dieser Leidenschaft versinken. Natürlich ist dafür besonders das berühmte pulsierende Stadtviertel Palermo geeignet. Am besten nicht zu viel vornehmen und sich einfach von dem unvergleichlichen Nachtleben mitreißen lassen.  

Insbesondere in einer Metropole wie Buenos Aires kann man sehr einfach Einheimische über beispielweise die Seite couchsurfing.org kontaktieren (man muss dafür keine Anfrage zum Couchsurfen stellen und kann die Locals einfach einzeln mit einer Nachricht oder gleich alle mit einem Post kontaktieren) und sich all die kleinen und großen Geheimtipps der Stadt zeigen lassen, die in keinem Reiseführer zu finden sind.

Unbedingt unbedingt: Falls sie gerade in Buenos Aires auftreten, die Show Fuerza Bruta sehen! Die Show kann man nicht beschreiben und sollte es auch nicht versuchen. Einfach hingehen und sich umhauen lassen.

An der Grenze zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay

Die Iguazú-Wasserfälle sehen. Ja, es ist touristisch und vermutlich überlaufen (früh aufstehen lohnt sich) aber auch einfach magisch! Die gigantischen Wassermengen werden dich eine ganz besondere Ehrfurcht vor der Natur empfinden lassen. Eine Bootsfahrt in den Wasserfall hinein, bei der du von Kopf bis Fuß nass wirst, solltest du dir auch nicht entgehen lassen.

Im Norden Argentiniens, Region Salta

Wenn dein Weg dich Richtung Bolivien führt, wird dich deine Reise in den Norden von Argentinien verschlagen, der sich sehr von dem restlichen Land unterscheidet. Hier ähnelt die Landschaft immer mehr einem Westernfilm, samt riesiger Kakteen, die Menschen Indianern, statt Europäern wie in Buenos Aires und du wirst immer mehr Lamas und Alpaccas begegnen.

Die Quebreda de Cafayate, Teil der Valles Qualchaquies mit ihren roten Bergen ist eine atmosphärische Region mit mehreren schönen Ausflugmöglichkeiten. Die Gesteinsformationen sind nahe Cafayate besonders eindrucksvoll und entlang der Ruta 68 befinden sich zahlreiche Aussichtspunkte um diese zu bewundern – u.a. der Teufelsrachen und das Amphitheater. In der Nähe in dem kleinen Örtchen Purmamarca kannst du einen Ausflug zu dem siebenfarbigen Berg unternehmen, der durch verschiedene Mineralien seine bezaubernden Farben erhalten hat. Die schönsten Fotos wirst du bei Sonnenaufgang (das berichteten Frühaufsteher) machen können.
Die Häuser werden in dieser Region bis heute nach alter Tradition aus Lehmziegeln gebaut. Ursprünglich wurden sie wegen der guten Isolation verwendet, heute dient der Lehm auch dazu, das Erscheinungsbild der Dörfer zu erhalten.
In dem Wohlfühlörtchen konnte ich gut durchschnaufen, um mich auf meine nächsten Abenteuer vorzubereiten: Bolivien und Peru lachten mir entgegen und ich träumte von Inkaruinen und Salzwüsten. Ich hatte Lebenslust und Wärme getankt und war bereit.

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