Angst zu scheitern?

Scheitern als etwas Positives sehen

Was hilft gegen Versagensangst?
Sara Blakely, die Gründerin und CEO des Unternehmens „Spanx“ und jüngste Self-Made-Milliardärin, beschrieb in einem Interview, wie ihr Vater sie von klein auf dazu erzog, Versagen als etwas Positives zu sehen.

Jede Woche fragte er sie, worin sie gescheitert sei und wenn ihr etwas einfiel, bekam sie ein dickes High Five. Wenn sie nichts zu berichten hatte, war ihr Vater nahezu enttäuscht. So hieß das für ihn, sie hätte sich nicht aus ihrer Komfortzone gewagt und keine wertvolle Lektion gelernt.

Schon von klein auf wurde ihr Versagen als wichtige Erfahrung mit all den Chancen zu wachsen, gelehrt. Etwas gar nicht erst zu probieren, wurde für sie zu dem eigentlichen Versagen. Ihr Vater forderte sie zudem auf aufzuschreiben, was sie aus der jeweiligen Situation für sich herausziehen konnte. So führte sie sich bewusst die Lektionen vor Augen, die jedes Versagen enthielt. „Genial!“, dachte ich als ich das Interview las.

Wenn wir alle so aufgezogen worden wären, wie anders würde unsere Gesellschaft aussehen? Wie viel mehr Leute hätten ihre Herzensziele erreicht, weil sie sich nicht von ihrer Angst zu versagen lähmen lassen würden? Wie viel mehr erfüllte und glückliche Menschen würden auf dem Planeten rumlaufen und sich gegenseitig zu ihrem Versagen – also dem Mut etwas ausprobiert und etwas Wertvolles gelernt zu haben – beglückwünschen. Wenn wir schon in der Schule statt für unsere Fehler bestraft zu werden, für unseren Mut und die wichtigen Erkenntnisse belohnt worden wären? 

Stattdessen wurde uns die Abneigung vor Fehlern und damit allem Unperfekten eingetrichtert. Ein Perfektionist zu sein gilt als etwas Positives und ich höre oft, wie es mit Stolz von sich behauptet wird. Dabei hält kaum etwas anderes davon ab seine Träume zu erfüllen. Perfektion kann niemals erreicht werden. Das ist aber kein Grund Dinge nicht umzusetzen und mit der Imperfektion wundervoll leben zu können.

Versagensangst verhindert unser Potential

Ich bin mir sicher, es würde dich umhauen, wozu du fähig wärst, wenn du alle Versagensängste bei Seite schieben könntest. Um nicht erst versagen zu können, fangen wir Dinge gar nicht erst an oder bringen sie nicht zu Ende. Unterbewusst sabotieren wir uns selbst um nicht in die Gefahr zu kommen, zu scheitern.

Du bist nicht weniger wertvoll, wenn du versagst.

Stelle dir das nächste Mal folgende Fragen, wenn dich die Angst zu scheitern übermannt:

·       Was in deinem Leben hast du versäumt, weil du Angst hattest zu versagen?

·       Was ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn du versagst? Sind Menschenleben davon betroffen?

·       Wie wirst du in 10 Jahren darüber denken, wenn du jetzt versagst? Wird es wirklich schlimm für dich sein?

·       Wie könntest du im Falle einer Niederlage damit umgehen? Entwickle einen Plan B, der das Scheitern weniger schlimm macht.

·       Wie wahrscheinlich ist es, dass du scheiterst auf einer Skala von 1 bis 10?

·       Was kannst du daraus gewinnen, wenn du das Risiko zu scheitern eingehst? Was ist das best case scenario?

Meistens sind unsere Katastrophenszenarien viel bedrohlicher, weil sie sehr verschwommen sind. Einmal wirklich klar zu Ende gedacht und es zeigt sich, dass der worst case „Scheitern“ gar nicht so schlimm ist und du mit den Konsequenzen sogar gut umgehen könntest. Auch machen wir uns häufig Sorgen um etwas, was sehr unwahrscheinlich ist. Wenn du dir vor Augen führst, wie gering die Chancen stehen, fällt es dir leichter das kleine Risiko einzugehen. Wir haben so häufig Angst etwas zu verlieren, dass wir gar nicht sehen, was wir gewinnen können, wenn wir es versuchen.

Wenn du das nächste Mal Angst hast zu versagen, dann spüre in die Angst hinein. Du kannst sie spüren und es trotzdem tun, statt dich von ihr überwältigen zu lassen. Fühl die Angst, nimm sie an und wenn das Ziel verlockender ist als die Risiken, dann tue es trotzdem.

Mut heißt nicht, keine Angst zu haben, sondern Angst zu haben und es trotzdem zu tun.

Mut ist wie ein Muskel. Du trainierst ihn, indem du Dinge tust, vor denen du Angst hast. Bring dich bewusst in Situationen, in denen du dich blamieren kannst und beglückwünsche dich zu deinem Mut. Definiere Versagen neu indem du es als Mut und wertvolle Erfahrung ansiehst.

Wenn du das nächste Mal scheiterst, liegt es ganz allein bei dir, ob du es als Ende der Welt siehst, als Beweis, dass du nicht gut genug bist oder als Beweis für deinen Mut und deine Stärke, es versucht zu haben.

Gewöhne dir an, den Grund für das Scheitern nüchtern zu betrachten. Es ist leicht zu denken, du wärst einfach ein Versager, wenn du etwas nicht schaffst. In der Regel liegt das aber daran, dass dir Informationen gefehlt haben, ohne die du es gar nicht schaffen konntest. Durch das Scheitern weißt du jetzt, wie es nicht geht und bist um einiges schlauer. Also, auf ein Neues 😉

Klarheit durch Entscheidungsmatrix

Lade dir hier deine Entscheidungsmatrix runter, mit der du die Risiken abwägen und dir einen Plan B definieren kannst. Wenn dich deine Angst zu scheitern wieder paralysiert und dein Verstand dir Streiche spielt, kommst du dadurch wieder in die Realität zurück und kannst die Risiken ganz nüchtern abwägen. Wenn das Ergebnis im grünen Bereich landet, siehst du, dass du keinen Grund hast, nicht einfach loszulegen. Wenn das Ergebnis im gelben Bereich landet, weißt du, dass du einen Plan B brauchst, den du definieren kannst, um dich sicherer zu fühlen. Wenn das Ergebnis im roten Bereich landet, weiß du, dass es wirklich zu risikoreich ist.

So gewinnst du Klarheit und kannst eine vernünftige Entscheidung treffen, ohne dich unbewusst lähmen zu lassen. 

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